Kippt der Iran den US-Dollarhttp://www.finanznachrichten.de/nachrichte...kel-5937623.asp01.02.2006 17:14
FXDIREKT / Kippt der Iran den US-Dollar?
Dies ist eine Analyse der FXdirekt Bank AG. Für den Inhalt ist die
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verantwortlich.
Im Nahen Osten schwelt ein neuer Brandherd: der Iran. Allerdings ist es
nicht nur der
Atomstreit, sondern auch eine Art Duplizität der Ereignisse, die sich im
Hinblick auf
den dritten Golfkrieg im Irak ergeben könnten. Gemeint ist die
Aufrechterhaltung der
Vormachtstellung des US-Dollar. Zuerst jedoch zum aktuellen Geschehen:
Bei
einem
Scheitern der Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm hat
Teherans
Atomverantwortlicher Ali Laridschani ebenso wie der Regierungschef mit
einer
Wiederaufnahme der Uran-Anreicherung in industriellem Ausmaß gedroht.
Wenn
die
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den Streit vor den
UN-Sicherheitsrat trage,
werde sich der Iran "gezwungen" sehen, alle Beschränkungen des
Atomprogramms
aufzuheben,
sagte Laridschani.
Das weitere Vorgehen werde davon abhängen, wie der Iran "behandelt"
werde,
fuhr er fort.
"Wenn der Weg der Verhandlungen offen steht, ziehen wir es vor, durch
Gespräche zu einem
Abschluss zu kommen." Laridschani betonte, dass zwischen Großbritannien,
Frankreich und
Deutschland einerseits sowie Russland und China andererseits
Meinungsunterschiede
bestünden. Russland als Technologie-Lieferant hat vorgeschlagen, die
Uran-Anreicherung
in einem Joint Venture mit dem Iran zu betreiben.
Derweil dementierte die iranische Regierung ausdrücklich Berichte, nach
denen Teheran aus
Sorge vor möglichen Sanktionen gegen sein Land bereits Milliarden
US-Dollar
von
West-Banken abgezogen und nach Asien verlagert habe. Zuvor hatte die
iranische
Zentralbank mitgeteilt, dass bereits Gelder transferiert worden seien.
Als
mögliche
Option, um den Iran zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen, war auch das
Einfrieren
iranischer Vermögen genannt worden.
VERSCHÄRFUNG IM ATOMSTREIT ZIEHT SPEKULANTEN AN
Der Ölpreis ist derzeit eng mit den Entwicklungen im Iran verquickt.
Spitzt
sich der
Konflikt zu, dürfte das aufgrund des strengen Winters in Europa ohnehin
teure schwarze
Gold in Richtung des Allzeithochs bei 70,85 USD je Barrel (159 Liter)
Light
Crude vom
30. August 2005 klettern. Kurzfristig orientierte Spekulanten könnten
bei
einem Bruch
dieser Marke die Aufwärtsbewegung nochmals verschärfen und den Ölpreis
auf
80 USD
treiben. Dies sollte den US-Dollar empfindlich treffen - aus technischer
Sicht könnte
EUR/USD bei einem Halten der 1,20er-Marke einen neuen mittelfristigen
Aufwärtstrend
ausbilden.
Die Notierungen für Gold streben seit Jahresbeginn zudem stetig gen
Norden
auf zuletzt
über 570 USD je Feinunze. Die Angst vor einem Militärschlag der USA
gegen
den Iran ist
derzeit zwar nur latent vorhanden, dürfte allerdings bei einer härteren
verbalen Gangart
schnell größer werden. Dies sollte mehr Anleger in den "sicheren Hafen"
Gold
fliehen
lassen und den US-Dollar wegen der inversen Beziehung schwächen - auch,
da
die Frage im
Raum steht, ob sich die Bush-Regierung einen weiteren Krieg sowohl
politisch
als auch
finanziell leisten kann.
Die nächste Stufe der Verschärfung im Atomstreit droht am 2. Februar,
wenn
die
IAEA-Mitglieder über eine Resolution gegen den Iran beraten. Auch der
Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen könnte sich bald mit dem Konflikt befassen. Der Iran
rasselte daher
zuletzt auch kräftig mit dem Säbel. So drohte der iranische
Wirtschaftsminister, Davoud
Danesh-Jafari, den Ölpreis auf nie geahnte Höhen schnellen zu lassen.
Die
Macht dazu
hätte Teheran wohl, da das Land über und 10% der weltweiten Ölvorräte
verfügt. Täglich
liefert der Iran mehr als 600 Millionen Liter nach Europa und in die
USA.
Eine
Verknappung der Ausfuhren würde jedoch auch das Land treffen und ist
daher
unwahrscheinlich.
ÖLBÖRSE ALS "ULTIMATIVE WAFFE"
Dennoch bildet die geopolitische Lage in Verbindung mit dem Öl- und
Goldpreis eine
explosive Mixtur für den US-Dollar. Hinzu kommt die Bedrohung durch die
Ölbörse. Vor
allem Langfriststrategen im Pentagon beschäftigen sich mit der
Verteidigung
des
Greenback und damit des Wohlstands der USA. Iranischen Plänen zufolge
soll
noch im März
2006 eine eigene Ölbörse ins Leben gerufen werden. Deren negative
Auswirkungen für die
Weltleitwährung US-Dollar werden mancherorts noch viel schlimmer
eingeschätzt als durch
einen (nuklearen) Krieg. Ähnlich wie im Irak ab dem Jahr 2000 sollen die
Ölgeschäfte in
Euro abgewickelt werden: Übrigens, zwei Monate nachdem die USA im Irak
einmarschiert
sind, wurde das von Saddam Hussein initiierte "Öl für
Lebensmittel"-Programm
wieder
abgeschafft und der Euro durch den US-Dollar als einzige
Abrechnungswährung
im Ölexport
ersetzt.
Stellt der Iran tatsächlich auf den Euro um und ermöglicht auch anderen
Ländern an der
Ölbörse ihren Bedarf an dem schwarzen Gold zu decken (die Pendants sind
die
New Yorker
NYMEX und die Londoner IPE), könnte der Greenback unter massiven Druck
geraten. Die
Europäer müssten keine USD-Reserven mehr vorhalten, sondern würden mit
dem
Euro direkt
bezahlen. Die Chinesen und Japaner könnten über die Ölbörse ihre enormen
USD-Reserven
besser diversifizieren und sich damit gegen dessen Abwertung schützen.
Die
Russen haben
ein inhärentes wirtschaftliches Interesse an einer stärkeren Stellung
des
Euro. Denn der
Großteil der Öl- und Gasexporte geht nach Europa. Die Araber,
Saudi-Arabien
und der Irak
einmal ausgenommen, könnten eventuell auch nationalistische Bestrebungen
entwickeln, die
USA über EUR/USD-Käufe für ihre Hegemonialpolitik abzumahnen.